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چهارشنبه ۶ اسفند ۱۴۰۴ - ۰۹:۲۷

Krieg gegen den Iran – beschlossene Sache?

Was einen neuen Krieg sehr wahrscheinlich erscheinen lässt, ist die größte Militärkonzentration der USA in Westasien seit dem Jahr 2003, als diese sich für den Krieg im Irak aufstellten. Der Unterschied ist dieses Mal, dass sich die Vorbereitungen auf einen massiven Aufmarsch der See- und Luftstreitkräfte beschränken. Alle schließen eine US-amerikanische Besetzung des Iran mit Bodentruppen aus.

Perspektive 22.02.2026 um 9:50

Trotz laufender Verhandlungen deuten massive Truppenverlegungen auf konkrete Kriegsvorbereitungen gegen den Iran hin. Die USA bauen ihre größte Militärpräsenz in Westasien seit dem Einmarsch in den Irak 2003 auf. Die rechten Teile der iranischen Exilopposition werden derweil vom Westen hofiert und drängen auf einen Angriff. – Ein Kommentar von Sohrab Mobasheri.

Ein Berater des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump geht von einer „۹۰-prozentigen Wahrscheinlichkeit“ eines Militärschlags der USA gegen den Iran in den kommenden Wochen aus. Die am 17. Februar in Genf durchgeführten Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA wurden zwar mit der Ankündigung weiterer Gesprächsrunden beendet. Jedoch zeigte sich in dem im Juni 2025 gemeinsam von Israel und den USA geführten 12-tägigen Krieg gegen die Islamische Republik Iran, dass die USA Verhandlungen auch als reine Kulisse für Kriegsvorbereitung nutzen können.

Zum damals überraschenden, als Enthauptungsschlag gedachten und mit US-Präsident Trump koordinierten Angriff Israels auf die Islamische Republik kam es zwischen zwei iranisch-amerikanischen Verhandlungsrunden – genauer nur zwei Tage vor dem für den 15. Juni 2025 festgelegten Gesprächstermin, den die Regierung in Teheran wegen des Kriegs absagte.

Auch der ehemalige Vizekommandeur der amerikanischen CENTCOM (Zentralkommando) und Ex-Vizeadmiral, Bob Harward, erwartet, dass die USA jetzt, nur acht Monate nach der Operation „Midnight Hammer“, einen erneuten Militärschlag gegen den Iran ausführen werden. Dieser würde eine massive Zerstörungswelle gegen die iranischen Militärstrukturen mit sich bringen, so Harward.

Am 22. Juni 2025 hatten die USA mit der Bombardierung iranischer Nuklearanlagen in den israelisch-iranischen Krieg eingegriffen. Wenige Stunden danach trat Trump zusammen mit seinem Vize J.D. Vance, seinem Kriegsminister Pete Hegseth sowie dem Doppelfunktionär Marco Rubio, der als Außenminister und nationaler Sicherheitsberater tätig ist, öffentlich auf und behauptete, mit der vollständigen Vernichtung des iranischen Atomprogramms sei dessen Gefahr auf Jahre gebannt. Nur acht Monate danach drohen die USA mit einem neuen Krieg – angeblich vor allem, um das vorgeblich ausgeschaltete iranische Nuklearprojekt ein zweites Mal zu vernichten.

Je nachdem, wer in den USA wen anspricht, werden zur Rechtfertigung des Kriegs verschiedene Argumente bemüht: Am 17. Februar begab sich US-Vizepräsident Vance höchstpersönlich ins Nachrichtenstudio von Fox News, dem Lieblingssender von Trump und seiner Kernwählerschaft. Vance sprach im Zusammenhang mit dem Iran ausschließlich über die Gefahr einer denkbaren iranischen Atombombe und deren Folgen in Form eines nuklearen Wettrüstens.

Sein Chef Trump spricht weitaus häufiger über den Iran. Von Mal zu Mal variiert er die Kriegsgründe, die er anführt. Am 20. Februar sprach er von ۳۲.۰۰۰ Menschen, die bei den Protesten am 8. und 9. Januar angeblich von den iranischen Sicherheitskräften getötet worden seien. Vielleicht ist es ein Zufall, dass diese Zahl fast genau zehnmal so hoch ist wie die Zahl der Namen auf der von der iranischen Regierung veröffentlichten Opferliste der. Offensichtlich beeindruckt die schreckliche, von den Machthabern in Teheran zugegebene Zahl von fast 3.200 Toten kaum jemanden mehr – kein Wunder kurz nach einem Genozid mit mindestens 70.000 Toten in derselben Weltregion, durchgeführt mit der tatkräftigen Unterstützung der USA und aller anderen westlichen Länder.

Größte Militärkonzentration in Westasien seit 2023

Was einen neuen Krieg sehr wahrscheinlich erscheinen lässt, ist die größte Militärkonzentration der USA in Westasien seit dem Jahr 2003, als diese sich für den Krieg im Irak aufstellten. Der Unterschied ist dieses Mal, dass sich die Vorbereitungen auf einen massiven Aufmarsch der See- und Luftstreitkräfte beschränken. Alle schließen eine US-amerikanische Besetzung des Iran mit Bodentruppen aus. Selbst begrenzte „Spezialoperationen“ wie zum Beispiel jene Anfang Januar 2026 zur Entführung des venezolanischen Präsidentenehepaars Maduro durchgeführte Nacht- und Nebelaktion sind eher unwahrscheinlich.

Nicht unwahrscheinlich sind dagegen gezielte Tötungen aus der Luft oder die massive Bombardierung eines ganzen Stadtviertels zur Eliminierung einer einzigen Person – etwa nach dem Modell der Tötung des libanesischen Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah durch Israel im September 2024.

Darauf und auf solche Luft- und Raketenangriffe, wie sie Israel besonders nach dem ۷. Oktober 2023 gegen sieben Länder durchgeführt hat, haben sich die USA nun vorbereitet. Sie haben aufgeboten, was sie zur See und Luft zur Verfügung haben. Die Rede ist von einem Drittel der gesamten Seestreitkräfte der USA und beinahe der Hälfte der amerikanischen Luftwaffe, die sich jetzt im Westen Asiens befinden.

Zu den um den Iran konzentrierten Waffen gehören die modernsten der Welt: Der größte, nach dem glücklosen Ex-Präsidenten Gerald Ford benannte Flugzeugträger der Welt passierte vor oder am 20. Februar bereits die Straße von Gibraltar – von der Operation gegen Venezuela kommend. Die letzten Tage im Februar werden zeigen, ob der USS Gerald R. Ford im östlichen Mittelmeer bleibt, um Israel vor iranischen Vergeltungsaktionen zu schützen, oder weiter über den Suez-Kanal und das Rote Meer Kurs auf den nördlichen Indischen Ozean nimmt. Dort befindet schon seit einigen Wochen ein anderer US-Flugzeugträger namens Abraham Lincoln. Jeder Flugzeugträger ist das Flaggschiff einer ganzen Flotte von kleineren Schiffen und U-Booten, zu deren Aufgaben die Absicherung des Flugzeugträgers zählt.

Zusammen mit mehreren US-Militärstützpunkten in den Ländern um den Iran können die USA die Flugzeugträger als Basis für den Start von hunderten modernster Kampfbomber nutzen: „Tarnkappenbomber“ des Typs F-35 können die iranische Luftabwehr ausschalten, bevor die zahlreicheren Flugzeuge anderen Typs wie F-15 und F-16 ungehindert angreifen können. Damit ist alles an möglichen Operationen denkbar: von erneuten Angriffen auf nukleare Einrichtungen und die iranischen Raketenabschussrampen bis hin zur Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei und weiterer Personen an der Spitze der Islamischen Republik.

Trump setzt eine Frist von 10 bis 15 Tagen

Am 20. Februar setzte Trump dem Iran eine Frist von 10 bis 15 Tagen, um zu einem „Deal“ mit ihm zu kommen. Am 19. Februar hatte er von nur 10 Tagen gesprochen. Solche Fristen werden von Trump immer mit der Androhung militärischer Gewalt kombiniert – so auch am 19. und 20. Februar.

Niemand glaubt ernsthaft daran, dass so komplexe Verhandlungen wie die zwischen den USA und dem Iran in wenigen Wochen Ergebnisse erzielen können. Der Hintergrund der von Trump genannten Fristen kann nur sein, weitere militärische Vorbereitungen zu treffen.

Es steht außer Frage, dass gegen einen wehrlosen Iran ein erneuter Angriff schon längst stattgefunden hätte. Der einzige Grund für die langen Vorbereitungen sind die einzigen militärische Abschreckungen, die dem Iran geblieben sind – Raketen und Drohnen. Ein Großteil des US-Aufmarschs dient den Vorkehrungen gegen iranische Vergeltungsschläge. Diese können nicht nur gegen amerikanische Militärbasen in der Region, sondern auch gegen Israel sowie gegen Ölterminals und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gerichtet werden. Diese auf der nördlichen Seite vom Iran dominierte Seestraße ist das Tor des Persischen Golfs zum Rest der Welt. Durch diese Meeresenge führen schätzungsweise 25 Prozent des weltweiten maritimen Öl- und 20 Prozent des Gashandels auf See.

Unter anderem der US-amerikanische Think Tank Atlantic Council warnt vor möglichen Folgen militärischer Schläge gegen den Iran, die vermutlich eher die Form einer wochenlange Kampagne annehmen und im Vergleich zur Operation in Venezuela einem umfassenden Krieg ähneln würde. Die Schweizer Privatbank erklärt, dass die Ölströme erheblich gestört werden könnten: „Während die Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf die Finanzmärkte häufig begrenzt oder nur vorübergehend sind, schaffen in diesem Fall die Ölmärkte eine direkte Verbindung zur globalen Wirtschaft und zu den breiteren Lieferketten“, schreibt Nannette Hechler-Fayd’herbe, Chief Investment Officer für Europa, Nahost und Afrika, in einer Forschungsnotiz.

Selbst ein temporäres Stocken des Öl- und Gastransports durch die Straße von Hormus kann die Energiepreise weltweit nach oben schnellen lassen. Steigen die Benzinpreise in den USA, könnten sich die Wähler:innen dort in den Kongresswahlen im November 2026 an der Republikanischen Partei Trumps rächen. Trump hat vor einigen Wochen davor gewarnt, dass ein mehrheitlich demokratischer Kongress versucht sein könnte, ein erneutes Impeachment-Verfahren zu seiner Absetzung anzustrengen. Innenpolitischen Anlass gibt es genug.

Nicht nur in den USA, sondern auch in anderen westlichen Staaten sorgt man sich wegen der dunklen Wolken über Westasien. Verbale Angriffe Trumps und seiner Umgebung gegen Großbritannien belegen die Richtigkeit von Pressemeldungen, nach denen die Londoner Starmer-Regierung den USA untersagt habe, die britisch-amerikanisch kontrollierte Insel Diego Garcia im Indischen Ozean sowie Stützpunkte in Großbritannien selbst für Angriffe gegen den Iran zu nutzen.

Beide Seiten wollen Kräfte unter Beweis stellen

Der massive Aufmarsch der USA um den Iran findet vor den Augen der Weltöffentlichkeit statt. Das ist Absicht. Anders als im Juni 2025 wird die Islamische Republik im Jahr 2026 nicht mehr von einem Angriff kalt erwischt werden. Fehlt das Überraschungsmoment, bleibt jedoch die psychologische Kriegsführung. Deren Ziel ist die Demoralisierung des Feindes.

Die westlichen Medien sind voll von Szenarien, wie ein Militärschlag gegen den Iran ablaufen könnte: Das Wall Street Journal z.B. berichtete, einem kurzen, heftigen Schlag könnte die Aufforderung Teherans zur Kapitulation folgen. Zeige sich die iranische Führung uneinsichtig, werde es zu wochenlangen vernichtenden Bombardierungen kommen.

Angesichts der militärischen Überlegenheit der USA sind das keine leeren Drohungen. Substanzielle Drohgebärden sind ein Teil der psychologischen Kriegsführung. In dieser Kriegsdisziplin gibt es jedoch keine so offensichtliche Unterlegenheit Teherans wie bei den real existierenden Waffengattungen.

Doch auch von Seiten des Iran wird versucht, die eigene Macht zu demonstrieren: Am 18. Februar bildeten sich eine lange Schlangen von Handelsschiffen in der Richtung vom Indischen Ozean zum Persischen Golf. Kurz zuvor hatte die iranische Islamic Recolutionary Guard Corps (IRGC) für eine Militärübung die Straße von Hormus für einige Stunden in einer Richtung blockiert. Das war eine Antwort der Islamischen Republik in dem von den USA ausgehenden psychologischen Krieg.

Auch sonst zeigt sich die iranische Führung in der psychologischen Kriegsführung als durchaus ebenbürtig. Während die ganze Welt von der möglichen kurzfristig bevorstehenden Tötung Ali Chameneis redet, erschien der 86-jährige Ayatollah am ۱۹. Februar im einem fast immer für seine Auftritte genutzten Saal seiner Residenz vor Gläubigen, um Koran-Rezitationen aus Anlass des beginnenden Fastenmonats Ramadan beizuwohnen. Das war nur zwei Tage nach einer 40-minütigen Rede, die er im selben Saal gehalten hatte.

Sollte sich nun der oberste Führer ansonsten in einem unterirdischen Bunker aufhalten, unterlässt er die gelegentlichen öffentlichen Auftritte am gewohnten Ort noch nicht – auch das ist ein Signal an seine Anhängerschaft wie seine Feinde: Der Iran zeigt nach außen keine Nervosität. Diese Haltung scheint in allen Stellungnahmen der Anhänger:innen der Islamischen Republik Iran durch, die am ۱۲. Januar und am ۱۱. Februar an landesweiten, staatlich organisierten Versammlungen gegen die USA teilnahmen.

Die Rolle der rechten Exilopposition

Die rechtsgerichtete iranische Exilopposition, unter anderem der Ex-Kronprinz Reza Pahlavi, scheut derweil nicht davor zurück, die Massaker an den Protestierenden im Iran als Genozid zu bezeichnen. Ein großes Maß an Unkenntnis der Zielgruppen beim Begriff Genozid wird offensichtlich vorausgesetzt. Allerdings passt der Völkermord-Begriff zum Diskurs der iranischen rechten Opposition.

Demnach kam es 1979 nicht zu einer Revolution im Iran, sondern zu einer ausländischen Besatzung. 47 Jahre danach behauptet das Pahlavi-Lager, dass der Massenmord im Iran am 8. und 9. Januar von afghanischen und arabischen Söldnern der Islamischen Republik ausgeführt worden sei. Diese Behauptung passt zur pogromartigen Stimmung gegen Menschen mit Migrationshintergrund im Iran, vor allem gegen Afghanischstämmige, die entweder im Iran geboren sind oder seit Jahrzehnten dort leben.

Reza Pahlavi scheint zuversichtlich zu sein, dass ein Militärschlag gegen den Iran unmittelbar bevorsteht. Nachdem Mitte Februar während seiner Auftritte in München am Rande der dortigen Sicherheitskonferenz eine gewisse Enttäuschung über die ausgebliebene Iran-Operation des US-Militärs durchschimmerte, rief er am 20. Februar seine Anhängerschaft in der iranischen Diaspora dazu auf, in der Forderung eines Kriegs nicht nachzulassen.

Er fügte hinzu, Exiliraner:innen sollten ihre Stimme jenen westlichen Politiker:innen verweigern, die den Krieg zu verhindern versuchen. Das ist offenbar ein Wink mit Blick auf den US-Kongresswahlkampf, in dem Iran-Amerikaner:innen das Zünglein an der Waage sein könnten.

Die Hauptfunktion der rechten iranischen Diaspora ist somit im Moment in der Propaganda für einen Krieg gegen den Iran zu sehen. Schon wieder wird die sogenannte humanitäre Intervention ins Feld geführt – vor allem mit Rücksicht auf Menschen im Westen, die für die Verhinderung einer nuklearen Bewaffnung des Iran denselben Ansatz favorisieren, der zum – mittlerweile von den USA, der EU und Großbritannien torpedierten – Atomabkommen von 2015 führte.

Wie die verkündete Absicht einer erneuten Vernichtung des im Juni 2025 angeblich zerschlagenen Atomprogramms scheint das Bemühen des Arguments –  Schutz der Menschen im Iran vor einem übergriffigen Regime – von einer weit verbreiteten Amnesie unter den Zielgruppen auszugehen.

Eigentlich müsste den Adressat:innen der Propaganda bekannt sein, wie andere angeblich „humanitäre Interventionen“ abliefen. Libyen 2011 liegt jedoch für viele zu weit in der Vergangenheit, um zu wissen, dass die westliche militärische Einmischung in jenem nordafrikanischen Land erst die Katastrophe verursachte. In Libyen herrschen seit fast 15 Jahren Chaos, Sklavenhandel und Bandenkrieg.

Ein traumatisiertes Volk

Im Iran selbst ist fast das gesamte Volk von den Ereignissen am 8. und 9. Januar traumatisiert. Selbst diejenigen Menschen, die der im Iran herrschenden Propaganda Glauben schenken und im Zusammenhang mit der Katastrophe im Januar von einem amerikanisch-israelischen Putschversuch sprechen, stellen – teilweise in aller Öffentlichkeit – die Frage, was die bürgerkriegsähnlichen Szenen vor sechs Wochen über die sicherheitspolitische Kompetenz der Herrschenden aussagen.

Die meisten Iraner:innen sind ohnehin zumindest kritisch gegen die Islamische Republik eingestellt. Zahlreiche Menschen im Iran sind dermaßen von Wut auf Mörder erfasst, dass sie schon aus Trotz Parolen ausrufen, die aus ihrer Sicht die Herrschenden am meisten auf die Palme bringen: Und das ist nun mal das Bekenntnis zur Pahlavi-Familie. Denn zu Massakern an Protestierenden kam es im Iran wiederholt schon seit 2019, wenn man diesen Ausdruck nicht bereits für die mörderische Unterdrückung der sogenannten grünen Bewegung in den Jahren 2009/2010 und der wirtschaftlich motivierten Unruhen um die Jahreswende 2017/2018 verwenden möchte.

Mit jeder brutalen Repressionswelle staute sich mehr Hass und Wut im Volk. Auch der beachtenswerte Erfolg der Jin-Jiyan-Azadi-Bewegung 2022 bis 2023 bei der faktischen Beendigung des Kopftuchzwangs änderte wenig am aufgestauten Zorn. Dieser Zorn ist eine der möglichen Erklärungen für die Pro-Pahlavi-Parolen im Iran. Immerhin ist Pahlavi die extremste Negation der Revolution von 1979. Gäbe es eine terroristische, offen islamfeindliche Organisation, die sich ungeniert zum Mord an Muslim:innen bekennen würde, hätte sie wahrscheinlich noch mehr Erfolg unter jenen Menschen im Iran, die jetzt Pahlavi hochleben lassen.

Faschistische Internationale

Die Faschisierung zehntausender Exiliraner:innen bedarf jedoch einer anderen Erklärung. Von einer direkten Traumatisierung dieser Menschen kann nicht die Rede sein – sie müssen sich anders als die Bevölkerung im Iran nicht um ihr Leben fürchten. Wenn am 14. Februar die bisher größte Demonstration in Deutschland gegen die Islamische Republik von Monarchist:innen in München organisiert wurde, hat das vor allem damit zu tun, dass die Pahlavi-Familie die Spitze des iranischen Ablegers einer faschistischen Internationale ist.

In persischsprachigen Medien sprechen die Monarchist:innen seit Jahren von Mord und Totschlag. Die prominenteste iranische Faschistin ist Yasamin Pahlavi, die Ehefrau des Ex-Kronprinzen. Schon während der Jin-Jian-Azadi-Bewegung, also seit fast drei Jahren, wünscht sie in sozialen Medien drei Gruppen den Tod: dem „verdorbenen“ Trio aus Mullahs, Linken und den Volksmojahedin. Für Pahlavi waren es diese drei Kräfte, die 1979 gemeinsame Sache machten und den Schah stürzten.

Große Resonanz in der iranischen Diaspora findet Pahlavi auch wegen der immer stärker zutage tretenden faschistischen Stimmung in westlichen Ländern. Wenn die Anhängerschaft Pahlavis die Fahne Israels überall auf der Welt hochhält, ist das als Signal der Distanzierung von anderen Migrant:innen gedacht, gerichtet an die Länder, in denen die iranische Diaspora lebt. Etwa nach dem Motto: Behandelt uns nicht wie die anderen Migrant:innen aus Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung, denn wir integrieren uns voll in die Muslim:innen-feindliche Gesellschaft.

„Ein Land – ein Volk – ein Führer“

Während der Pahlavi-Diskurs in persisch offen faschistisch daher kommt – von der Tribüne in München rief einer seiner prominenten Anhänger die Parole „Ein Vaterland – ein Banner – ein Führer“ aus – gibt sich insbesondere der Ex-Kronprinz selbst als salonfähige Figur. Es ist also kein Wunder, dass die Bild-Zeitung von ihm schwärmt.

Am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz nahm Pahlavi an einer Townhall-artigen Veranstaltung und einer Pressekonferenz teil. Er willigte in alle Regeln ein und gab sich brav. Er folgte sehr unmajestätisch der Aufforderung der britisch-iranischen Promi-Journalistin Christiane Amanpour und nahm nach dem Gespräch mit ihr einfach im Publikum Platz.

Er musste sich dann anhören, wie der US-Senator Lindsey Graham die Frage, ob er für Pahlavi als den künftigen Führer im Iran eintrete, einfach verneinte und sich damit herausredete, die Billigung (Endorsement) eines Führers für den Iran sei nicht sein Job. Auch in Grahams am nächsten Tag auf der Theresienwiese gehaltenen Rede vor zehntausenden Pahlavi-Anhänger:innen erwähnte dieser Pahlavi mit keinem Wort. Das ist bezeichnend für einen US-Parlamentarier, von dem man sagt, sein Wahlkreis sei nicht South Carolina, sondern Israel.

Doch wie bemüht Pahlavi auch um sein Image als Boulevard-Held war, konnte er sich in seiner Antwort auf die Frage eines Vertreters von BBC Persian in der Pressekonferenz nicht zurückhalten: Der Journalist hatte gefragt, warum Pahlavi keine Koalition in der iranischen Opposition zustande gebracht habe. In nunmehr vertrauter Trump-Manier wies Pahlavi den BBC-Vertreter zurecht und widersprach ihm.

Pahlavi zufolge seien seine Kritiker:innen auf die Anhängerschaft der Islamischen Republik sowie der Volksmojahedin und sogenannte Separatist:innen – womit vor allem die Kurd:innen gemeint sind – beschränkt. Sehe man von diesen Gruppen ab, sei das iranische Volk unter seiner Führung bereits vereint. Der Ex-Kronprinz gefiel sich mit dieser Behauptung offenbar sehr, denn nach der Pressekonferenz bezeichnete er Aussagen über die Uneinigkeit des Volkes wiederholt als reine Lügen.

Milliardenschwere Schützenhilfe

Der Aufstieg der iranischen Monarchist:innen zur stärksten Kraft in der iranischen Diaspora und einer beachtlichen Strömung im Iran wäre ohne die seit über zehn Jahren anhaltende Medienkampagne für Pahlavi nicht möglich gewesen.

Das Team des schwedisch-iranischen Medienwissenschaftlers Mazdak Azar hat herausgefunden, dass die beiden wichtigsten persischsprachigen Fernsehsender von westlichen Ländern aus fünfmal, bzw. zweimal so häufig über Pahlavi und Monarchist:innen berichtet haben, als die Originalaufnahmen aus den Protesten hergaben. Das Team um Azar hatte dazu tausende Videoclips in den sozialen Medien mit einer vergleichbar hohen Zahl der Berichte von Iran International und BBC Persian verglichen. Das Ergebnis könnte deutlicher kaum sein: Iran International widmete dem Pahlavi-Lager 400 Prozent mehr Berichte, als dessen Anteil an den Protesten im Iran hergab. Im Falle von BBC Persian betrug diese Voreingenommenheit „nur“ ۱۰۰ Prozent.

Die mediale Schützenhilfe aus dem Westen hat sich im Laufe der Jahre auf eine Milliardensumme aufsummiert. Wie aufwändig die Programmproduktion für einen Sender ist, der rund um die Uhr Inhalte produziert, ist nur grob zu sagen. Doch mit einer vorsichtigen Schätzung kommt man für das Budget einer 24-stündig sendenden Funkanstalt auf eine Summe von dutzenden, wenn nicht sogar mehr als hundert Millionen Dollar jährlich. Und es gibt mehr als einen persischsprachigen Exilsender. Diese Medien gibt es teilweise schon seit 20 Jahren.

Es ist daher keine Übertreibung, von einer milliardenschweren Schützenhilfe zu sprechen. Finanziert werden die Sender direkt oder indirekt von westlichen Staaten – und Israel. Hinzu kommen Millionen digitale Avatare in den sozialen Medien, für die man tausende leistungsfähige Computer braucht. Die französische Figaro hatte deshalb Anfang Februar von einer KI-gestützten antiiranischen Kampagne Israels berichtet.

Polizei Bayerns als Freund und Helfer

Schützenhilfe bekam Reza Pahlavi auch von der Münchner Polizei: Am 14. Februar nahm er an einer Kundgebung seiner Anhängerschaft auf der Münchener Theresienwiese teil. Hinter der Tribüne fragte ihn ein Hofberichterstatter, was er zu den angeblich 250.000 Menschen auf der Theresienwiese zu sagen habe. Pahlavi war sichtlich überrascht und sagte, er habe von ungefähr der Hälfte gehört.

Er wusste offenbar nichts von seinem Freund und Helfer der bayerischen Polizei. Diese hatte von 250.000 Menschen auf „d’Wiesen“ berichtet. Drei Tage später berichtete die Süddeutsche Zeitung, die Polizei habe sich bei der Zahl der Anwesenden auf der Theresienwiese offenbar „verschätzt“. Nach Recherchen der Süddeutschen, einschließlich Auswertung der Videoüberwachung und Interviews mit Expert:innen, war die Fläche der Kundgebung 55.000 bis 65.000 Quadratmeter groß. Statistiker:innen rechnen bei solchen Kundgebungen mit eineinhalb Menschen pro Quadratmeter. Die Zahl der Demonstrant:innen in München muss daher definitiv unter 100.000 gewesen sein.

Die deutsche Polizei, die bei linken Demonstrationen systematisch von einer kleineren Zahl oder gar einem Bruchteil der von Veranstalter:innen geschätzten Menschenmenge berichtet, hat in München ganz offensichtlich sehr großzügig geschätzt.

Marginalisierung Europas

Die Haltung der deutschen Polizei mitsamt der gesamten europäischen Politik ist im Iran-Konflikt zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Kam das Atomabkommen 2015 nach Verhandlungen der Islamischen Republik mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats plus Deutschland zustande, finden die Atomverhandlungen 2026 nur zwischen dem Iran und den USA statt.

Diese Marginalisierung verdanken die Europäer:innen sich selbst: Sie haben im August 2025 die iranische Nuklearakte zurück an den UN-Sicherheitsrat verwiesen, was dem Atomabkommen von 2015 faktisch den Todesstoß gab. Allerdings war das Abkommen seit der einseitigen Aufkündigung durch Trump in 2018 – in seiner ersten Amtszeit – praktisch bereits irrelevant geworden.

Einen weiteren Schritt weg von der Iran-Diplomatie unternahm die EU Ende Januar 2026, indem sie die iranische Streitmacht IRGC als „Terrororganisation“ einstufte, zwei Wochen nachdem der deutsche Kanzler Friedrich Merz (CDU) im Zuge der landesweiten Proteste behauptet hatte, ein Regimewechsel im Iran sei eine Sache von Wochen oder gar Tagen. Nun hat die FDP-Hinterbänklerin Agnes Strack-Zimmermann vom Abstellgleis EU-Parlament gefordert, die EU solle iranische Diplomat:innen ausweisen. Davor dürfte die EU jedoch zurückschrecken.

Die Zeichen stehen aktuell klar auf einem militärischen Angriff der USA. Ob weitere Verhandlungen und eine Einigung dem doch noch zuvor kommen werden, scheint eher unwahrscheinlich. Doch zumindest Teile der iranischen Führung scheinen auch für ein weiteres Entgegenkommen in Richtung USA bereit zu sein.

„Damit ein Abkommen dauerhaft Bestand hat, ist es entscheidend, dass auch die USA in Bereichen profitieren, die hohe und schnelle wirtschaftliche Erträge bringen“, sagte der stellvertretende Direktor für Wirtschaftsdiplomatie im Außenministerium, Hamid Ghanbari, laut der halboffiziellen Nachrichtenagentur Fars. Scheinbar ist die Islamische Republik laut Ghanbari also zum Ausverkauf iranischer Bodenschätze bereit, wenn der Westen den Kriegspfad verlässt.

بخش : Deutsch
تاریخ انتشار : ۶ اسفند, ۱۴۰۴ ۵:۲۹ ق٫ظ
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